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Thema: Texte für Trauung - Sammlung

Madame Mim

Texte für Trauung - Sammlung
« am: 23.02.2010 10:41 »
Aus gegebenem Anlass :-) immer wieder suchen Bräute Texte für die Trauung - hier mal eine Sammlung von doch einigen weltlichen texten. Vielleicht ist ja was dabei für euch :-)
Gruss, Mim



Nur der Same
Ein junges Brautpaar hatte einen Traum: Sie betraten einen Laden. Hinter der Ladentheke sahen sie einen Engel. Hastig fragten sie ihn: "Was verkaufen Sie, mein Herr?" Der Engel gab ihnen freundlich zur Antwort: "Alles, was Sie wollen!" Da sagte das Brautpaar wie aus der Pistole geschossen: "Dann hätten wir gerne: Glück und Harmonie für unsere Ehe! Gesundheit und ein gutes Auskommen! Einen festen Glauben an Gott, den Ersten in unserem Bunde! Die feste Bereitschaft, immer miteinander zu reden und zu verzeihen! Genügend Zeit und Nerven, um unseren Kindern gerecht zu werden, wenn wir sie geschenkt bekommen!"-- Die Braut gab dem Bräutigam einen Rippenstoß ... "Ach ja, das Ende der Kriege in der Welt und in den Häusern! Die Beseitigung der Elendsviertel, nah und fern! Ausbildungsplätze für Jugendliche und, und ..." Da fiel ihm der Engel ins Wort und sagte: "Entschuldigen Sie, liebes Brautpaar, Sie haben mich falsch verstanden. Wir verkaufen hier keine Früchte, wir verkaufen nur den Samen!"

Ich bin für meine Rose verantwortlich von Antoine de Saint-Exupéry
Und der kleine Prinz kam zum Fuchs zurück. "Adieu", sagte er ... "Adieu", sagte der Fuchs. "Hier ist mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar." "Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar", wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken.
"Die Zeit, die du für deine Rose verloren hast, sie macht deine Rose so wichtig."
"Die Zeit, die ich für meine Rose verloren habe ...", sagte der kleine Prinz, um es sich zu merken.
"Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen", sagte der Fuchs. "Aber du darfst sie nicht vergessen. Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich ..."
"Ich bin für meine Rose verantwortlich ...", wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken.
 
Die langen Löffel
Ein Rabbi bat Gott einmal darum, den Himmel und die Hölle sehen zu dürfen. Gott erlaubte es ihm und gab ihm den Propheten Elia als Führer mit. Elia führte den Rabbi zuerst in einen großen Raum, in dessen Mitte auf einem Feuer ein Topf mit einem köstlichen Gericht stand.
Rundum saßen Leute mit langen Löffeln und schöpften alle aus dem Topf. Aber die Leute sahen blass mager und elend aus. Es herrschte eisige Stille. Denn die Stiele ihrer Löffel waren so lang, dass sie das herrliche Essen nicht in den Mund bringen konnten. Als die beiden Besucher wieder draußen waren fragte der Rabbi den Propheten, welch ein seltsamer Ort das gewesen sei. Es war die Hölle.
Darauf führte Elia den Rabbi in einen zweiten Raum, der genauso aussah wie der erste. In der Mitte brannte ein Feuer und kochte ein köstliches Essen. Leute saßen herum mit langen Löffeln in der Hand. Aber sie waren alle gut genährt, gesund und glücklich. Sie unterhielten sich angeregt. Sie versuchten nicht, sich selbst zu füttern, sondern benutzten die langen Löffel, um sich gegenseitig zu essen zu geben. Dieser Raum war der Himmel.

Die Rose
Von Rainer Maria Rilke gibt es eine Geschichte aus der Zeit seines ersten Pariser Aufenthaltes.
Gemeinsam mit einer jungen Französin kam er um die Mittagszeit an einem Platz vorbei, an dem eine Bettlerin saß, die um Geld anhielt. Ohne zu irgendeinem Geber je aufzusehen, ohne ein anderes Zeichen des Bittens oder Dankens zu äußern als nur immer die Hand auszustrecken, saß die Frau immer am gleichen Ort.
Rilke gab nie etwas, seine Begleiterin gab häufig ein Geldstück. Eines Tages fragte die Französin verwundert nach dem Grund, warum er nichts gebe, und Rilke gab ihr zu Antwort: "Wir müssten ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand." Wenige Tage später brachte Rilke eine eben aufgeblühte weiße Rose mit, legte sie in die offene, abgezehrte Hand der Bettlerin und wollte weitergehen. Da geschah das Unerwartete:
Die Bettlerin blickte auf, sah den Geber, erhob sich mühsam von der Erde, tastete nach der Hand des fremden Mannes, küsste sie und ging mit der Rose davon.
Eine Woche lang war die Alte verschwunden, der Platz, an dem sie vorher gebettelt hatte, blieb leer. Vergeblich suchte die Begleiterin Rilkes eine Antwort darauf, wer wohl jetzt der Alten ein Almosen gebe.
Nach acht Tagen saß plötzlich die Bettlerin wieder wie früher am gewohnten Platz. Sie war stumm wie damals, wiederum nur ihre Bedürftigkeit zeigend durch die ausgestreckte Hand. "Aber wovon hat sie denn all die Tage, da sie nichts erhielt, nur gelebt?" fragte die Französin. Rilke antwortete: "Von der Rose . . ."
Josef Bill

Nichts gefällt mir besser als du! Nach Schir Haschirim Rabbah
Es geschah einmal, dass eine junge Frau in Sidon mit ihrem Mann zehn Jahre lang lebte, ohne dass sie ihm ein Kind gebar. Dem Gesetz in diesen Angelegenheiten folgend, gingen sie zu Rabbi Simeon bar Jochai, um sich scheiden zu lassen.  Der Rabbi sprach zu ihnen: "Bei eurem Leben! So wie ihr, als ihr euch trauen ließet, bei einem festlichen Gelage zusammen kamt, so solltet ihr euch auch jetzt nicht ohne ein festliches Gelage trennen. "
Sie folgten dem Rat des Rabbi und bereiteten ein großes Fest, bei dem die Frau ihrem Mann mehr als gewöhnlich zu trinken gab. Als er sich nun sehr wohl fühlte, sagte er zu seiner Frau: "Töchterlein, du kannst dir aus meinem Hause das mitnehmen, was dir am besten gefällt; und dann kehre zurück in das Haus deines Vaters."  Was tat sie? Als er eingeschlafen war, befahl sie ihren Knechten und Mägden, ihn und das Bett, auf dem er schlief, in das Haus ihres Vaters zu bringen. Um Mitternacht wachte der Mann auf. Als der Weinrausch ihn verlassen hatte, sah sich der Mann verwundert um und sprach: "Töchterlein, wo bin ich denn eigentlich?
"Du bist", antwortete sie, "im Hause meines Vaters."
"Was habe ich denn mit dem Hause deines Vaters zu tun?"
Sie antwortete: "Erinnerst du dich nicht daran, dass du mir gestern Abend gesagt hast, dass ich das, was mir am besten gefällt, mitnehmen kann, wenn ich zu meinem Vater zurückkehre? Nichts gefällt mir besser in der ganzen Welt als du!"  Da gingen sie wieder zusammen zu Rabbi Simeon bar Jochai. Er betete für sie; und die Frau wurde schwanger.
 

Der Ort, wo Himmel und Erde sich berühren
Es war einmal ein Ehepaar, das lebte glücklich irgendwo. Die beiden liebten sich, teilten Freude und Leid, Arbeit und Freizeit, Alltag und Sonntag miteinander. Über Jahre lebte das Ehepaar in diesem Glück, bis eines Tages. . .
Eines Tages las das Ehepaar miteinander in einem alten Buch. Es las, am Ende der Welt gäbe es einen Ort, an dem der Himmel und die Erde sich berührten. Dort gäbe es das große Glück, dort sei der Himmel.
Das Ehepaar beschloss, diesen Ort zu suchen. Es wollte nicht umkehren, bevor es den Himmel gefunden hätte. Das Ehepaar durchwanderte nun die Welt. Es erduldete alle Entbehrungen, die eine Wanderung durch die ganze Welt mit sich bringt. Sie hatten gelesen, an dem gesuchten Ort sei eine Tür, man brauche nur anzuklopfen, hineinzugehen und schon befinde man sich beim großen Glück. Endlich fand das Ehepaar, was es suchte. Die beiden klopften an die Tür, bebenden Herzens sahen sie, wie sie sich öffnete.
Und als sie eintraten, blieben sie sofort erstaunt stehen. - Sie standen in ihrer eigenen Wohnung. Die Wohnung war so, wie sie sie verlassen hatten. Nein, nicht ganz! Da gab es eine neue Tür, die nach draußen führte und jetzt offen stand. Da begriffen sie: Der Ort, an dem Himmel und Erde sich berühren, an dem das Glück zu finden ist, dieser Ort bef1ndet sich auf dieser Erde. Er befindet sich direkt in unserer Umgebung. Wir brauchen nur die Tür zu öffnen. Wir brauchen nur am Leben anderer teilnehmen, andere an unserem Leben teilnehmen lassen.
nach einer Legende


« Letzte Änderung: 23.02.2010 11:05 von Madame Mim »


Madame Mim

Re:Texte für Trauung
« Antwort #1 am: 23.02.2010 10:41 »
Die chinesische Hochzeit
Die Brautleute hatten nicht viel Geld, aber dennoch waren sie der Meinung, dass viele Menschen mitfeiern sollten. Geteilte Freude ist doppelte Freude, dachten sie. Es sollte ein großes Fest werden, beschlossen sie, mit vielen Gästen. Denn warum sollte unsere Freude nicht ansteckend sein? - fragten sie sich. Es herrscht unter den Menschen ohnehin mehr Leid als Freude. Also baten sie die Eingeladenen, je eine Flasche Wein mitzubringen. Am Eingang würde ein großes Fass stehen, in das sie ihren Wein gießen könnten; und so sollte jeder die Gabe des anderen trinken und jeder mit jedem froh und ausgelassen sein.
Als nun das Fest eröffnet wurde, liefen die Kellner zu dem großen Fass und schöpften daraus. Doch wie groß war das Erschrecken aller, als sie merkten, dass es Wasser war. Versteinert saßen oder standen sie da, als ihnen allen bewusst wurde, dass eben jeder gedacht hatte: Die eine Flasche Wasser, die ich hineingieße, wird niemand merken oder schmecken.
Nun aber wussten sie, dass jeder so gedacht hatte. Jede von ihnen hatte gedacht: Heute will ich mal auf Kosten anderer feiern. Unruhe, Unsicherheit und Scham erfasste alle, nicht nur, weil es lediglich Wasser zu trinken gab. Und als um Mitternacht das Flötenspiel verstummte, gingen alle schweigend nach Hause, und jeder wusste: Das Fest hatte nicht stattgefunden.
Chinesische Parabel

Weißer Taft  Stark verkürzt nach Fritz von Woedtke
Eine junge, hübsche Dame betrat das Geschäft. Eine erfahrene Verkäuferin bot sich sofort an: "Sie wünschen, bitte?" "Ich suche Stoff für ein Seidenkleid, das bei jedem Schritt rauscht!" "Da nehmen Sie am besten Taft. Wir haben ihn in sehr schönen leuchtenden Farben." "Die Farbe spielt keine Rolle. Es kommt nur darauf an, dass das Kleid zu hören ist!" Zwei junge Lehrlinge im Hintergrund stießen einander an. Der eine flüsterte: "Sie sollte sich noch ein paar Glöckchen annähen lassen. Das klingelt so hübsch."  "Hier haben wir apartes Lila", war die Verkäuferin wieder zu hören, "und weiß ist natürlich immer schön." Die junge Dame entschied sich für weiß. Sie ließ den Stoff durch die Finger gleiten. "Hört man es?" fragte sie wieder. "Ja", versicherte die Verkäuferin, "man hört es ganz deutlich!" Sie kaufte sieben Meter, bezahlte und verließ das Geschäft. "Laufen Sie der Dame nach", sagte die Verkäuferin zu dem einen Lehrling, "sie hat ihre Handschuhe liegengelassen." An der nächsten Kreuzung erreichte er die Dame. "Bitte, Ihre Handschuhe!" "Das ist lieb von Ihnen."
"Verzeihen Sie bitte meine Frage: Warum kam es Ihnen eben beim Kauf so darauf an, daß der Stoff unbedingt rauscht?" Sie antwortete: "Er ist für mein Brautkleid. Der Mann, den ich heirate, ist blind. Wenn er schon das Kleid nicht sehen kann, soll er es hören und wissen, wann ich in seiner Nähe bin!"
 
Weil da ein Mensch ist
Eine kleine Meldung in der Zeitung: Der holländische Frachter Toloa fand im Pazifischen Ozean ein kleines Schlauchboot, das steuerlos im Meer trieb. Darin lag bewußtlos ein achtzehnjähriger australischer Matrose. Der junge Mann hatte sich zunächst freiwillig zur Marine gemeldet, war aber von seinem Dienst auf dem Flugzeugträger Sidney bald enttäuscht und beschloss eines Tages zu desertieren. In einer Nacht ließ er ein kleines Schlauchboot auf See nieder und verließ heimlich den Flugzeugträger. Im Glauben, er befinde sich noch nahe an der Küste von Kalifornien, ruderte er los. Tatsächlich war das Schiff aber schon vierhundert Seemeilen von der Küste entfernt. So trieb der Junge neunzehn Tage im Meer. "Es war schrecklich", berichtete er nachher über seine fast dreiwöchige Odyssee im Pazifik. Er hatte weder Wasser noch Lebensmittel bei sich. "Das Schlimmste aber", sagte er, "war die Langeweile. Ich hatte ja nichts zu tun. Quälend langsam vergingen die Tage, die ich allein auf der See so dahin trieb. Am meisten dachte ich an meine Freundin und daran, dass ich sie unbedingt wieder sehen wollte." - Immer wieder sagte er das und zu allen Leuten, die ihn nachher im Krankenhaus besuchten: "Ich habe nur überlebt, weil ich an meine Freundin dachte!"
Lothar Zenetti
Arabische Liebesgeschichte
Ein junger Mann und ein Mädchen liefen auf zwei verschiedenen Landwegen. In einem bestimmten Augenblick kamen die zwei Wege zusammen, und der Junge und das Mädchen liefen nun gemeinsam weiter.
Der Junge trug einen Kupferkessel auf seinem Rücken. In der einen Hand hatte er ein lebendes Huhn und einen Stock, während er an der anderen eine Ziege führte. Nach einer Weile kamen sie an eine Bergschlucht. Da blieb das Mädchen stehen und sagte: "Durch diese Schlucht gehe ich nicht mit dir."
"Warum nicht?" wollte der Junge wissen.
"Du könntest mich dort umarmen und küssen", antwortete sie.
"Wie soll ich dich denn umarmen und küssen? Ich habe einen Kupferkessel auf dem Rücken, an der einen Hand habe ich eine Ziege und in der anderen Hand ein lebendes Huhn und einen Stock."
Aber das Mädchen beharrte auf seiner Meinung: "Du könntest mich die Ziege halten lassen, danach den Stock in den Boden stecken, das Huhn auf den Boden setzen und den Kessel darüber stülpen, und dann könntest du mich umarmen und küssen."
Lange starrte der Junge das schöne, nette Mädchen an. Endlich sagte er: "Allah segne deine Weisheit."
Worauf sie gemeinsam durch die Schlucht gingen.
keine Quelle

Das Brot
Die Liebe zwischen einem Mann und seiner Frau ist längst an den toten Punkt gekommen. Seitdem er nichts mehr verdient und sie nichts mehr zu essen hat, ist das vollends der Fall. Leer und hungrig sind sie. Ewig hungrig sitzen sie sich, wenn er abends heimkommt, gegenüber. Und er sagt: "Gib Brot", sie.. "Gib Geld". Sie denkt, wenn er doch endlich ginge. Aber er geht nicht. Er geht auch an dem Abend nicht, als sie ihn anschreit, daß er nichts tauge. Er geht in die Küche und sie meint, er esse das letzte Stück Brot. Als sie in die Küche kommt und triumphierend "Hat es dir geschmeckt?" sagt, liegt das Brot noch da, ist in Streifen geschnitten und schön hergerichtet. Das ist für sie so gewaltsam und plötzlich, so wie ein Blitz einen Nachthimmel zerreißt oder wie die Sonne durch eine Finsternis plötzlich Licht sieht. "Komm, du mußt etwas essen", sagt er. "Ich habe keinen Hunger mehr, ich werde nie mehr Hunger haben", erwidert sie und schiebt ihm den Kanten hin.
Sie sehen sich an und stehen sich eine Weile regungslos gegenüber. Sie starren sich in die Gesichter, wie Schiffbrüchige nach ihrer Rettung die Sonne anstarren, die Erde und den fernen Himmel. Und sie beginnen sich zu verstehen. Sie sieht dann, wie er das Brot bricht. Sie sieht, wie er den halben Kanten in den Mund schiebt. Sie nimmt den anderen Kanten und ißt und lächelt wieder.
F. A. Kloth

Die Tochter des Schafhirten
"Jeder Mensch sollte ein ordentliches Handwerk lernen", sagte meine Großmutter und erzählte dazu ein Märchen aus Persien:
"Der Sohn eines Königs verliebte sich in die Tochter eines Schafhirten und sagte seinem Vater, er möchte sie zur Frau haben. Aber der König erwiderte: ,Du wirst nach mir König sein, was willst du da mit der Tochter eines Schafhirten?' ,Ich weiß', antwortete der Sohn, ,aber ich weiß auch, dass ich dieses Mädchen liebe!'
Als der König sah, wie tief die Liebe ging, schickte er einen Boten zu dem Mädchen und ließ ausrichten: ,Der Königssohn liebt dich und möchte dich zur Frau!' Das Mädchen überlegte und fragte: Welches Handwerk kann er?' Da lachte der Bote und sagte: ,Das braucht der Sohn eines Königs nicht.' Aber das Mädchen bestand darauf: ,Zuerst muss er ein Handwerk lernen!'
Der Königssohn war bereit: ,Ja, ich will lernen, Strohmatten zu flechten.' Und nach kurzer Zeit verstand er, wunderschöne Strohmatten zu fertigen in Mustern, bunten Farben und reichen Verzierungen. - Da heirateten sie.
Eines Tages, bei einer Rast in einem Gasthaus, fiel der Königssohn unter Diebe und Mörder. Er musste mit dem Schlimmsten rechnen. So sagte er: ,Ich kann wertvolle Matten flechten, die euch viel Geld bringen!' Die Diebe und Mörder gingen darauf ein und brachten ihm Stroh. Nach drei Tagen hatte er drei herrliche Matten gefertigt und sagte: ,Bringt sie zum Palast des Königs. Er wird diese Kunst zu schätzen wissen und gibt euch für jede Matte hundert Goldstücke!'
Man brachte die Matten zum Palast. Der König erkannte die Arbeit seines Sohnes. Und die Tochter des Schafhirten entzifferte in den eingewebten Verzierungen eine Botschaft ihres Mannes in der Schriftsprache der Perser."
"Das Ende ist schnell erzählt", fuhr meine Großmutter fort. "Viele Soldaten umstellten das Gasthaus und der Königssohn kehrte glücklich zurück. Als er im Palast seine Frau wieder sah, kniete er sich dankbar vor ihr nieder und sagte: ,Nur durch dich bin ich noch am Leben!'"
Verkürzt nach William Saroyan

Aufeinander hören
Als ein Mann, dessen Ehe nicht gut ging, seinen Rat suchte, sagte der Meister: "Du mußt lernen, deiner Frau zuzuhören." Der Mann nahm sich diesen Rat zu Herzen und kam nach einem Monat zurück und sagte, er habe gelernt, auf jedes Wort, das seine Frau sprach, zu hören.
Sagte der Meister mit einem Lächeln: "Nun geh nach Hause und höre auf jedes Wort, das sie nicht sagt."
Anthony de Mello

Sie hat keine Familie
Die Familie war um den Eßtisch versammelt. Der älteste Sohn kündigte an, er werde das Mädchen von gegenüber heiraten.
"Aber ihre Familie hat ihr nicht einen Pfennig hinterlassen", sagte der Vater mißbilligend.
"Und sie selbst hat nicht einen Pfennig gespart", ergänzte die Mutter. "Sie versteht nichts vom Fußball", sagte Junior.  "Ich habe noch nie ein Mädchen mit solch komischer Frisur gesehen", sagte die Schwester.
"Sie tut nichts als Romane lesen", sagte der Onkel.
"Und sie zieht sich geschmacklos an", sagte die Tante.
"Aber sie spart nicht an Puder und Schminke", sagte die Großmutter.
"Alles richtig", sagte der Sohn, "aber sie hat verglichen mit uns einen großen Vorteil." - "Und der wäre?" wollten alle wissen. "Sie hat keine Familie."
Anthony de Mello

Fünfzig Jahre Höflichkeit
Ein älteres Ehepaar feierte nach langen Ehejahren das Fest der Goldenen Hochzeit. Beim gemeinsamen Frühstück dachte die Frau: "Seit fünfzig Jahren habe ich immer auf meinen Mann Rücksicht genommen und ihm immer das knusprige Oberteil des Brötchens gegeben. Heute will ich mir endlich diese Delikatesse gönnen." Sie schmierte sich das Oberteil des Brötchens und gab das andere Teil ihrem Mann.
Entgegen ihrer Erwartung war dieser hocherfreut, küßte ihre Hand und sagte: "Mein Liebling, du bereitest mir die größte Freude des Tages. Über fünfzig Jahre habe ich das Brötchen-Unterteil nicht mehr gegessen, das ich vom Brötchen am allerliebsten mag. Ich dachte mir immer; du solltest es haben, weil es dir so gut schmeckt."
Nossrat Peseschkian


Madame Mim

Re:Texte für Trauung
« Antwort #2 am: 23.02.2010 10:42 »
Spuren im Sand

Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn.
Vor dem dunklen Nachthimmel
erstrahlten, Streiflichtern gleich,
Bilder aus meinem Leben.
Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand,
meine eigene und die meines Herrn.

Als das letzte Bild an meinen Augen
vorübergezogen war, blickte ich zurück.
Ich erschrak, als ich entdeckte,
daß an vielen Stellen meines Lebensweges
nur eine Spur zu sehen war.
Und das waren gerade die schwersten
Zeiten meines Lebens.

Besorgt fragte ich den Herrn:
„Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen,
da hast du mir versprochen,
auf allen Wegen bei mir zu sein.
Aber jetzt entdecke ich,
daß in den schwersten Zeiten meines Lebens
nur eine Spur im Sand zu sehen ist.
Warum hast du mich allein gelassen,
als ich dich am meisten brauchte?“

Da antwortete er: „Mein liebes Kind,
ich liebe dich und werde dich nie allein lassen,
erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur
gesehen hast,
da habe ich dich getragen.“
 
Die beiden Brüder
Zwei Brüder wohnten einst auf dem Berg Morija. Der jüngere war verheiratet und hatte Kinder, der ältere war unverheiratet und allein. Die beiden Brüder arbeiteten zusammen, sie pflügten das Feld zusammen und streuten zusammen den Samen aus. Zur Zeit der Ernte brachten sie das Getreide ein und teilten die Garben in zwei gleich große Stöße, für jeden einen Stoß Garben. Als es Nacht geworden war, legte sich jeder der beiden Brüder bei seinen Garben nieder, um zu schlafen. Der ältere aber konnte keine Ruhe finden und sprach in seinem Herzen: "Mein Bruder hat eine Familie, ich dagegen bin allein und ohne Kinder, und doch habe ich gleich viele Garben genommen wie er. Das ist nicht recht." Er stand auf, nahm von seinen Garben und schichtete sie heimlich und leise zu den Garben seines Bruders. Dann legte er sich wieder hin und schlief ein.
In der gleichen Nacht nun, geraume Zeit später, erwachte der Jüngere. Auch er mußte an seinen Bruder denken und sprach in seinem Herzen: "Mein Bruder ist allein und hat keine Kinder. Wer wird in seinen alten Tagen für ihn sorgen?" Und er stand auf, nahm von seinen Garben und trug sie heimlich und leise hinüber zum Stoß des Älteren.
Als es Tag wurde, erhoben sich die beiden Brüder, und wie war jeder erstaunt, daß ihre Garbenstöße die gleichen waren wie am Abend zuvor. Aber keiner sagte dem anderen ein Wort. In der zweiten Nacht wartete jeder ein Weilchen, bis er den anderen schlafend wähnte. Dann erhoben sie sich, und jeder nahm von seinen Garben, um sie zum Stoß des anderen zu tragen. Auf halbem Weg trafen sie plötzlich aufeinander, und jeder erkannte, wie gut es der andere mit ihm meinte. Da ließen sie ihre Garben fallen und umarmten einander in herzlicher brüderlicher Liebe. Gott im Himmel aber schaute auf sie hernieder und sprach: "Heilig, heilig sei mir dieser Ort. Hier will ich unter den Menschen wohnen."

Nur die Liebe zählt
Eine russische Legende erzählt: Ein reicher Mann dachte auch im Sterben nur an das, woran er sein Leben lang gedacht hatte: an sein Geld. Mit letzter Kraft löste er den Schlüssel vom Band, das er am Hals trug, winkte der Magd, deutete auf die Truhe neben seinem Lager und befahl, ihm den großen Beutel Geld in den Sarg zu legen.
Im Himmel sah er dann einen langen Tisch, auf dem die feinsten Speisen standen. "Sag, was kostet das Lachsbrot?" fragte er. "Eine Kopeke", wurde ihm geantwortet. "Und die Sardine?" "Gleich viel." - "Und diese Pastete?" "Alles eine Kopeke." Er schmunzelte. Billig, dachte er, herrlich billig! Und er wählte sich eine ganze Platte aus. Aber als er mit einem Goldstück bezahlen wollte, nahm der Verkäufer die Münze nicht. "Alter", sagte er und schüttelte bedauernd den Kopf, "du hast wenig im Leben gelernt!" "Was soll das?" murrte der Alte. "Ist mein Geld nicht gut genug?" Da hörte er die Antwort: "Wir nehmen hier nur das Geld, das einer verschenkt hat."

Sich verwandeln lassen
Ein Fluss wollte durch die Wüste zum Meer. Doch als er den unermesslichen Sand sah, wurde ihm Angst, und er klagte: „Die Wüste wird mich austrocknen, und der heiße Atem der Sonne wird mich vernichten oder ich werde zum stinkenden Sumpf." Da hörte er eine Stimme, die sagte: „Vertraue dich der Wüste an."
Der Fluss entgegnete: „Bin ich dann noch ich selber? Verliere ich nicht meine Identität?" Die Stimme aber antwortete: „Auf keinen Fall kannst du bleiben, was du bist." So vertraute sich der Fluss der Wüste an. Wolken sogen ihn auf und trugen ihn über die heißen Sandflächen. Als Regen wurde er am anderen Ende der Wüste wieder abgesetzt. Und aus den Wolken floss ein Fluss, schöner und frischer als zuvor. Und der Fluss freute sich und sagte: „Jetzt bin ich wirklich ich."

Lieben - wie du bist
Meine Freunde sagten seit Jahren zu mir, ich solle mich ändern. Meine Frau nickte dazu. Jeder sagte mir immer wieder, ich solle mich ändern. Ich pflichtete ihnen bei und ich wollte mich ändern, aber ich brachte es nicht fertig, so sehr ich mich auch bemühte. Dann sagte eines Tages meine Frau zu mir: „Ändere dich nicht! Bleib, wie du bist. Es ist wirklich nicht wichtig, ob du dich änderst oder nicht. Ich liebe dich so, wie du bist. So ist es nun einmal." Diese Worte klangen wie Musik in meinen Ohren: „Ändere dich nicht, ändere dich nicht ... ich liebe dich." Und ich entspannte mich und ich wurde lebendig und Wunder über Wunder, ich änderte mich! - Jetzt weiß ich, dass ich mich nicht wirklich ändern konnte, bis ich jemanden fand, der mich liebte, ob ich mich nun änderte oder nicht. Ich danke dir, dass du es mit mir wagst.
nach Anthony de Mello

Philemon und Baucis
Es lebte einmal ein armes, altes Ehepaar, die hießen Philemon und Baucis.
Eines Tages kam der Göttervater Zeus in Menschengestalt zu ihnen und bat um Unterkunft, da niemand sonst ihn aufgenommen hatte. Die beiden alten Leute nahmen ihn in ihrer Hütte auf, gaben ihm zu essen und teilten alles mit ihm, was sie hatten. Am nächsten Morgen fragte Zeus, ob sie einen Wunsch hätten. „Wir wünschen uns, dass nicht der eine vor dem anderen stirbt", sagte Philemon. Und Baucis fügte hinzu: „Wir lieben uns so sehr, dass es keiner von uns ertragen könnte, am Grab des anderen zu stehen. Unser größter Wunsch ist es, gemeinsam zu sterben." Zeus versprach es und ließ sie, als ihre Zeit gekommen war, beide gleichzeitig sterben. Nach ihrem Tod verwandelte er sie in zwei ewige Bäume: Philemon in eine Eiche und Baucis in eine Linde.
Noch heute stehen irgendwo Philemon und seine Frau Baucis als Bäume Seite an Seite und ihre Äste verschlingen sich ineinander.
nach Metamorphosen von Ovid


Madame Mim

Re:Texte für Trauung
« Antwort #3 am: 23.02.2010 10:42 »
Der glanzlose Stein
In einem Juwelierladen konnte ein Brautpaar sich nicht satt genug an den Edelsteinen sehen. Sie staunten über die Vielfalt der Steine, über ihr Leuchten und Glitzern. Plötzlich stutzten sie. Vor ihnen lag ein gewöhnlicher Stein, matt und ohne Glanz. Wie kommt denn der hierher?
Diese Frage hörte der Juwelier und musste lächeln. „Nehmen Sie diesen Stein ein paar Augenblicke in Ihre Hand!"
Als die Braut später die Handfläche öffnete, strahlte der vorher glanzlose Stein in herrlichen Farben. „Wie ist das möglich?"
Der Fachmann wusste die Antwort: „Das ist ein Opal, ein sogenannter sympathetischer Stein. Er braucht nur die Berührung mit einer warmen Hand und schon zeigt er seine Farben und seinen Glanz. In der Wärme entzündet sich leise und lautlos sein Licht." -
Dieser Stein ist ein tiefes Symbol für alles Gutsein und alles Zarte in unserem Leben. Es gibt so viele Menschen auf der Erde, arm und reich, klein und groß, gebildet und einfach, die alle nur der Berührung einer warmen Hand, eines lieben Wortes, einer kleinen Zärtlichkeit, einer wohlwollenden Geste, eines teilnehmenden Blickes, einer helfenden Tat bedürfen, um aufzustrahlen im Licht der Freundlichkeit, um das Wunder der Zuneigung zu erfahren, um hell zu werden im Glanz einer leisen Begegnung.

Kaulquappe und Weißfisch
Eine Kaulquappe hatte einen Weißfisch geehelicht. Als ihr Beine wuchsen und sie ein Frosch zu werden begann, sagte sie eines Morgens zu ihm: „Mein Liebster, ich werde jetzt bald einer Berufung aufs Festland nachkommen müssen; es wird angebracht sein, daß Du Dich beizeiten daran gewöhnst, auf dem Land zu leben.." - „Aber um Himmels willen!" rief der Weißfisch verstört, „bedenke doch, meine Liebste, ich gehöre ins Wasser! Denk an meine Kiemen, an die Flossen!" Die Kaulquappe sah seufzend zur Decke empor. „Liebst du mich, oder liebst du mich nicht?" „Aber ja, natürlich liebe ich dich, ja!" hauchte der Weißfisch ergeben. „Na also!", sagte die Kaulquappe.
Wolfdietrich Schnurre

Muscheln in meiner Hand
Wenn man jemanden liebt, so liebt man ihn nicht die ganze Zeit, nicht Stunde um Stunde auf die ganz gleiche Weise. Das ist unmöglich. Es wäre sogar eine Lüge, wollte man diesen Eindruck erwecken. Und doch ist es genau das, was die meisten fordern. Wir haben so wenig Vertrauen in die Gezeiten des Lebens, der Liebe, der Beziehungen. Wir jubeln der steigenden Flut entgegen und wehren uns erschrocken gegen die Ebbe. Wir haben Angst, die Flut würde nie zurückkehren. Wir verlangen Beständigkeit, Haltbarkeit und Fortdauer; und die einzig mögliche Fortdauer des Lebens wie der Liebe liegt im Wachstum, im täglichen Auf und Ab - in der Freiheit; einer Freiheit im Sinne von Tänzern, die sich kaum berühren und doch Partner in der gleichen Bewegung sind.
Anne Morrow Lindbergh


Das Brot
Die Liebe zwischen einem Mann und seiner Frau ist längst an den toten Punkt gekommen. Seitdem er nichts mehr verdient und sie nichts mehr zu essen hat, ist das vollends der Fall. Leer und hungrig sind sie. Ewig hungrig sitzen sie sich, wenn er abends heimkommt, gegenüber. Und er sagt: "Gib Brot", sie.. "Gib Geld". Sie denkt, wenn er doch endlich ginge. Aber er geht nicht. Er geht auch an dem Abend nicht, als sie ihn anschreit, daß er nichts tauge. Er geht in die Küche und sie meint, er esse das letzte Stück Brot. Als sie in die Küche kommt und triumphierend "Hat es dir geschmeckt?" sagt, liegt das Brot noch da, ist in Streifen geschnitten und schön hergerichtet. Das ist für sie so gewaltsam und plötzlich, so wie ein Blitz einen Nachthimmel zerreißt oder wie die Sonne durch eine Finsternis plötzlich Licht sieht. "Komm, du mußt etwas essen", sagt er. "Ich habe keinen Hunger mehr, ich werde nie mehr Hunger haben", erwidert sie und schiebt ihm den Kanten hin.
Sie sehen sich an und stehen sich eine Weile regungslos gegenüber. Sie starren sich in die Gesichter, wie Schiffbrüchige nach ihrer Rettung die Sonne anstarren, die Erde und den fernen Himmel. Und sie beginnen sich zu verstehen. Sie sieht dann, wie er das Brot bricht. Sie sieht, wie er den halben Kanten in den Mund schiebt. Sie nimmt den anderen Kanten und ißt und lächelt wieder.
F. A. Kloth

Spuren im Sand (Margaret Fishback Powers)
Eines Nachts hatte ich einen Traum:
Ich ging am Meer entlang mit meinem Herrn. Vor dem dunklen Nachthimmel erstrahlten, Streiflichtern gleich, Bilder aus meinem Leben. Und jedes Mal sah ich zwei Fußspuren im Sand, meine eigene und die meines Herrn. Als das letzte Bild an meinen Augen vorüber gezogen war, blickte ich zurück. Ich erschrak, als ich entdeckte, dass an vielen Stellen meines Lebensweges nur eine Spur zu sehen war. Und das waren gerade die schwersten Zeiten meines Lebens.
Besorgt fragte ich den Herrn: „Herr, als ich anfing, dir nachzufolgen, da hast du mir versprochen, auf allen Wegen bei mir zu sein. Aber jetzt entdecke ich, dass in den schwersten Zeiten meines Lebens nur eine Spur im Sand zu sehen ist. Warum hast du mich allein gelassen, als ich dich am meisten brauchte?“
Da antwortete er: „Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.“

Ich bin frei
Ich beobachtete die beiden Bergsteiger, die schon seit geraumer Zeit gewissenhaft und bedächtig ihre Ausrüstung überprüften. Jeder Griff saß, und ich hatte das Gefühl, dass dies für beide zwar Routine war, ihnen jedoch Freude bereitete. Sie prüften Karabiner, knoteten Seile, hängten Ausrüstungsgegenstände an ihre Gürtel und zurrten ihre Körpergurte fest – jeder für sich. Zu guter Letzt hängten sich beide ein langes, schweres Seil um, mit dem sie beide verbunden waren.
„Entschuldigen sie!“, fragte ich einen der beiden Bergsteiger: „Fühlen sie sich frei!“
„Frei? – wie meinen sie das?“
„Ich meine: frei- sich ungehindert bewegen zu können.
Frei - das Leben zu genießen.
Frei – um schnell vorwärts zu kommen.
Ich meine: Frei!
Nicht gegenseitig verknotet, zusammengebunden, und eine schwere Last tragen zu müssen!“
Der eine Bergsteiger blickte den anderen an, und seine Antwort, so kam es mir vor, war die Antwort beider
„Wissen sie“, sagte er, „da wollen wir hinauf!“
„Wissen sie“, fuhr er fort, „wir wollen einen besonderen Weg gehen, und wir möchten beide neue Horizonte sehen!
Knoten die fest sitzen, Karabiner, die halten und Gurte, die belastbar sind, haben wir uns sorgfältig gemeinsam ausgesucht.
Genauso wie die Länge und das mögliche Gewicht des Seiles, mit dem wir beide in ebenem Gelände locker, aber wenn es darauf ankommt, sicher verbunden sind.
Wenn Klippen zu überwinden sind, wenn Abgründe drohen, wenn wir in steiler Wand hängen.
Das Seil erst lässt uns Wege gehen, die wir uns alleine nicht zutrauen würden, die wir alleine nie genießen könnten. Erst das Wissen um unseren sichere und feste Verbindung macht uns frei.“

Die Insel der Gefühle
Vor langer, langer Zeit existierte eine Insel,
auf der alle Gefuehle der Menschen lebten:
"Die gute Laune", "Die Traurigkeit", "Das Wissen"
und so wie alle anderen Gefuehle, auch "Die Liebe".
Eines Tages wurde den Gefuehlen mitgeteilt, dass die Insel sinken wuerde.
Also bereiteten alle ihre Schiffe vor und verliessen die Insel.
Nur die Liebe wollte bis zum letzten Augenblick warten.
Bevor die Insel sank, bat die Liebe um Hilfe.
Der Reichtum fuhr auf einem luxurioesen Schiff an der Liebe vorbei.
Die Liebe fragte: "Reichtum, kannst Du mich mitnehmen?"
"Nein, ich kann nicht. Auf meinem Schiff habe ich
viel Gold und Silber, da ist kein Platz fuer Dich."
Also fragte die Liebe den Stolz, der auf einem wunderbaren Schiff vorbeikam:
"Stolz, ich bitte Dich, kannst Du mich mitnehmen?"
"Liebe, ich kann Dich nicht mitnehmen," antwortete der Stolz,
"hier ist alles perfekt. Du könntest mein Schiff beschädigen".
Also fragte die Liebe die Traurigkeit, die an ihr vorbeiging:
"Traurigkeit, bitte, nimm mich mit."
"Oh Liebe", sagte die Traurigkeit,
"ich bin so traurig, dass ich alleine bleiben muss."
Auch die Gute Laune ging an der Liebe vorbei,
aber sie war so zufrieden, dass sie nicht hörte, dass die Liebe rief.
Plötzlich sagte eine Stimme: "Komm, Liebe, ich nehme Dich mit."
Es war ein Alter, der sprach.
Die Liebe war so dankbar und so glücklich,
dass sie vergass, den Alten nach seinem Namen zu fragen.
Als sie an Land kamen, ging der Alte fort.
Die Liebe bemerkte, dass sie ihm viel schuldete und fragte das Wissen:
"Wissen, kannst Du mir sagen, wer mir geholfen hat?"
"Es war die Zeit", antwortete das Wissen.
"Die Zeit?", fragte die Liebe, "warum hat die Zeit mir geholfen?"
Und das Wissen antwortete: "Weil nur die Zeit versteht,
wie wichtig die Liebe im Leben ist".

Madame Mim

Re:Texte für Trauung
« Antwort #4 am: 23.02.2010 10:42 »
Einander gefunden
Wie kommen die zwei zusammen,
wie finden sie so eng zueinander,
dass sie eines Tages, in stiller Zuneigung
oder leidenschaftlicher Begeisterung,
einander durchs Leben tragen möchten?
Das ist ein Geheimnis!
Liebe kann man nicht beweisen,
Liebe kennt keine Logik.
Du kannst nicht genau sagen,
was Dich am anderen so bezaubert;
aber bei jeder Berührung
klopft Dein Herz schneller.
Man träumt voneinander,
man findet bei dem anderen ein Zuhause,
lange bevor man zusammen wohnt.
Man wächst in das Leben des Partners hinein
und fühlt sich wohl beieinander.
Man fühlt sich wohl -
in dem großen Geheimnis,
das Liebe heißt!
wir haben uns gefunden
vielleicht war es liebe auf den ersten blick
vielleicht eine lange wechselvolle geschichte
aber irgendwann haben wir uns für einander entschieden
irgendwann haben wir gespürt
dass es mehr ist
mehr als ein abenteuer
eine kleine episode
wir haben uns gefunden
wir haben gefunden, wonach wir auf der suche waren
und unter tausenden von begegnungen
unter tausenden von möglichkeiten
bist du es geworden
warum gerade du
warum gerade ich
wir wissen, was der volksmund sagt
gleich und gleich gesellt isch gern
oder: gegensätze ziehen sich an
oder war es nichts als zufall
oder wir sind füreinander bestimmt
unter tausenden von begegnungen
bist du es geworden
ich hatte meine geschichte
du hattest deine
und irgendetwas hat uns zusammengebracht
irgendwo muss es punkte geben
wo sich diese beiden geschichten berühren
einen gemeinsamen nenner
eine seelenverwandtschaft
bei dir
da werde ich zuhause sein
habe ich gespürt
mit meiner ganzen geschichte
mit allem, was ich bin


Zwei Kugelhälften
Als das Leben am Anfang stand, fielen unzählige Kugeln auf die Erde. Bei ihrem Aufprall zersprangen sie in zwei Hälften. Uneben und frei auseinander geteilt symbolisieren sie die unterschiedlichen Charaktere zweier Menschen. Doch jede dieser auch noch so verschiedenen Halbkugeln ist für ein Gegenstück bestimmt, so wie auch zwei Menschen füreinander bestimmt sind. Wir alle sind auf der Suche nach unserer anderen Hälfte, eben nach der anderen halben Kugel. Wenn ihr glaubt, ihr habt Eure andere Hälfte gefunden, dann werdet ihr feststellen, dass die beiden halben Kugeln oft nur an einer einzigen kleinen Stelle passen, was Ihr durch sorgfältiges Drehen und Probieren herausfinden könnt. Es ist ganz natürlich, dass es am Anfang hakt und hängen bleibt. Aber genau das macht Sinn - denn: nicht alles kann von vornherein passen und übereinstimmen. Nun müssen beide an ihrer halben Kugel arbeiten, schleifen und feilen. Nur langsam und in kleinen Schritten ebnet sich dieser kantige Bruch durch das Geben und Nehmen in der Liebe. Nach einiger Zeit, wenn sich beide Hälften abgeschliffen haben, lassen sie sich fast reibungslos zu einer Kugel formen. Aber eben nur fast, genau passen - wie am Anfang unserer Zeit - darf es nie, sonst verliert man seine Persönlichkeit und das was den Menschen an Eurer Seite ausmacht. Jedoch eines vergesst nie: Ihr sollt nicht an der anderen, sondern stets an der eigenen Hälfte feilen.

Eine Geschichte
Am Vorabend ihrer Trauung stand eine junge Frau mit ihrer Mutter am Strand.
Sie betrachtete die Sonne, die langsam im Meer versank. Da fragte sie ihre Mutter: Mutter, mein Vater liebt dich und er ist dir immer treu geblieben. Was muss ich tun, damit mein Mann mich immer liebt?
Die Mutter schwieg und dachte nach. Dann bückte sie sich und füllte ihre Hände voll Sand. So stand sie bei der Tochter. Ohne etwas zu sagen, streckte sie eine Hand aus und presste ihre Finger immer fester zusammen. Der Sand begann aus ihrer Hand zu rieseln. Je krampfhafter sie ihre Hand zusammenballte, desto schneller rieselte der Sand heraus. Als sie schließlich ihre Hand öffnete klebten nur noch ein paar feuchte Sandkörner an ihren Handballen und ihren Fingern.
Aber die andere Hand hatte die Mutter offen gelassen, wie eine kleine Schale.
Darin blieben die Sandkörner liegen. Sie glänzten im Licht der sinkenden Sonne.
Das ist meine Antwort, sagte die Mutter leise.

gemeinsam auf dem weg
zwei wege haben sich getroffen
nicht plötzlich sondern allmählich
werden immer mehr zu einem weg
zwei menschen kommen zusammen
freudiges erkennen wir gehen gemeinsam
zwei menschen nähern sich
lernen sich kennen
zwei menschen versuchen den weg
teilen jedem mit wir gehen gemeinsam
feiern ein fest
zwei menschen
ein weg breit genug sodass jeder sein eigenes leben meistert
weg genug sich nicht zu verlieren
zwei menschen reichen einander die hände zum gemeinsamen weg
hände geben halt fesseln nicht
immer wechsel und abtasten von nähe und distanz
zwei menschen ein weg
spannung zwischen zwei und eins
gemeinsam auf dem weg
weg kein stand
man geht immer weiter
sie gehen immer weiter
sie sind immer weiter
frage wohin wird man kommen was wird kommen
gemeinsamer weg
vertrauen auf die die weg begleiten
vertrauen auf den der weg begleitet der weg ist
gemeinsam auf dem weg
freude anstrengung hoffnung aufgabe hilfe spannung zuversicht
zwei gemeinsam auf dem weg


Madame Mim

Re:Texte für Trauung Neu
« Antwort #5 am: 23.02.2010 10:43 »
Weißt du, dass ich dich lieb habe?“
Einmal wandte eine Ameisenfrau sich zu ihrem Liebsten und fragte: „Hast du mich lieb?“ „Sicher“, antwortete er.
„Aber ich liebe dich so, wie die Flüsse den Regen, wie die Blumen die Sonne und wie die Küsten das Meer“, sagte sie und wartete auf seine Antwort.
Doch der Ameisenmann schwieg. Lange nachdem sie gegangen war, hallten ihre Worte noch in seinen Gedanken nach und er sagte zu sich: Ich muss es herausfinden. So stand er auf und ging hinüber zum Fluss.
„Entschuldigung“, sagte der Ameisenmann über das Gluckern hinweg, „kannst du mir sagen, warum du den Regen so lieb hast?“
„Ohne den Regen“, sang der Fluss, „würden meine Ufer austrocknen und ich würde alt werden. Jedes Mal, wenn es regnet, erneuere ich mich und werde kräftiger. Nur durch den Regen kann ich wirklich sein.“
Danach spazierte die Ameise hinunter zu einem Feld voller Wildblumen.
„Entschuldigung“, sagte er zu den Blumen, „könntet ihr mir sagen, warum ihr die Sonne so lieb habt?“ Eine riesige Blume beugte sich herab und sagte: „Wir lieben die Sonne, weil wir ohne sie nicht erblühen können. Unsere Blütenblätter öffnen sich nur, wenn sie von ihren warmen Strahlen berührt werden. Für dieses Glück folgen wir der Sonne, wohin sie auch geht.“
Zuletzt machte er sich auf den Weg zur Küste. Er wanderte bis er das Meer erreichte. Am Morgen endlich konnte er die sandige Küste fragen: „Bitte, erzählst du mir, warum du das Meer so lieb hast?“
„Alles, was ich dazu sagen kann ist, dass ich mich unter seinen Wellen sicher und geborgen fühle. Ich liebe es, wenn das Meer mich mit sich reißt. Und wenn es fortgeht, bin ich traurig. Solange bis es zurückkehrt.“
Als er sich auf den Weg nach Hause machte, verstand er, wie die sandige Küste sich fühlte. Er sehnte sich danach, die Hand seiner Liebsten in der seinen zu spüren. Die Sonne ging gerade unter, als er sich ihrem gemeinsamen Lieblingsplatz näherte.
Als er sie so allein dasitzen sah, begann sein Herz zu rasen. An ihrer Seite nahm er ihre Hand und fragte: „Weißt du, dass ich dich lieb habe?“ „Sicher“, antwortete sie.
„Aber“, sagte der Ameisenmann, „so wie das Meer den Sand der Küste mit sich nimmt, möchte ich, dass du immer bei mir bist. So wie die Sonne die Blumen zum Strahlen bringt, macht es mich glücklich, dass ich dich zum Lächeln bringen kann. So wie der Regen den Fluss begehrt, sehnt sich mein Herz nach dir. Du erst machst mich vollkommen. Ohne dich kann ich nicht der sein, der ich bin.“
Der Ameisenmann wurde still, und seine Liebste sagte nichts. Sie drückte seine Hand, beide lächelten sich an und wandten sich dem wundervollen Sonnenuntergang zu.

 
Glaubensbekenntnis


Ich glaube, dass Liebe Unmögliches schafft.
Ich glaube an ihre unendliche Kraft.
Ich glaube, solange die Erde besteht,
dass niemals ein Tag ohne Liebe vergeht.
Ich glaube, dass selbst noch die unheile Welt
bisweilen aus Liebe den Atem anhält.
Ich glaube, dass Liebe uns retten könnte,
wenn Einsamkeit droht und Gefahr.
Ich glaube, dass jeder nach Liebe sich sehnte,
spräche er ehrlich und wahr.
Ich glaube, dass Liebe ganz leise und sacht
schon mancherlei Wunder hat heimlich vollbracht.
Ich glaube, dass Liebe die Wege findet,
welche wir suchen in Not.
Ich glaube, dass Liebe die Wunden verbindet
und uns ernährt - mehr als Brot.
Ich glaube, dass Liebe noch glaubwürdig ist,
selbst wenn du lächelst und zweiflerisch bist.
Ich glaube, dass Gott alle Sünden vergibt,
wenn er nur weiß, du hast wirklich geliebt.

    Elli Michler     www.ellimichler.de
Aus :  Elli Michler: Ich wünsche dir Zeit, Die schönsten Gedichte von Elli Michler
        © Don Bosco Verlag, München, 4. Aufl. 2008

( Abgedruckt auch in: Elli Michler: Liebe (aus der Taschenbuch-Reihe“ Wünsche und Gedichte“),
        © Don Bosco Verlag, München, 2006)


 
So kostbar ist der Mensch
Du bist ein Stück von mir-
und zugleich du und nicht zu besitzen.
Und das ist gut so.
Immer wieder darf ich dich neu entdecken.
Und das ist manchmal ganz schön aufregend.
Manchmal bist du für mich wie ein neugeborener Vogel im Nest.
Zart und zu empfindlich, um dich in die Hand zu schließen.
Manchmal bist du für mich wie ein Baum,
an den ich mich anlehnen kann.
Manchmal bist du für mich wie eine Blüte,
vor der ich sitze und über die ich mich freue.
Manchmal bist du für mich wie ein Sturm,
der mich aufwühlt, mich in Bewegung bringt
und mir fast den Atem nimmt.
Manchmal erkenne ich, dass du das Kostbarste,
Wertvollste und Wichtigste bist, dem ich auf
dieser Welt begegnen darf.
Und wenn ich meine, jetzt kenne ich dich,
dann bist du mir mit einemmal ganz fremd, und ich
möchte dich neu kennen lernen.
(R.Haag)


Der kleine Prinz von Antonine de Saint Exupèrie
Es war einmal ein kleiner Prinz auf einem fernen Planeten.
Dieser Planet war sehr klein, kleiner als unsere Kirche. Der kleine Prinz lebte dort allein. Naja, nicht ganz allein, denn dort wuchs eine Rose. Eine einzige Rose, mehr nicht. Der Prinz liebte seine Rose über alles. Wenn sie traurig war, tröstete er sie. Wenn der Wind gegen die Blüte blies, umschloss er sie mit seinen Händen. Wenn eine Raupe an den Blättern nagen wollte, stülpte er ein schützendes Glas über sie.
Eines Tages musste der kleine Prinz seine Rose für kurze Zeit alleine lassen, denn er flog zur Erde.

Er landete mitten in einem Rosenfeld. Er sah die vielen Rosen und wurde sehr traurig. „Ich dachte, es gäbe nur eine Rose im ganzen Universum,“ sagte er, „meine Rose. Ich dachte, sie sei etwas Besonderes. Doch es gibt so viele, sie sind alle gleich schön. Ich weiß nun gar nicht mehr, warum ich denn meine Rose so sehr liebe.“
In diesem Moment erschien ein Fuchs. „Wer bist du?“ fragte der kleine Prinz. „Ich bin ein Fuchs“, sagte der Fuchs. „Komm, spiel mit mir“, schlug der kleine Prinz vor. „Ich kann nicht mit dir spielen“, sagte der Fuchs, „ich bin noch nicht gezähmt. Zähmen bedeutet, sich vertraut machen. Noch bin ich für dich nur irgendein Fuchs unter hunderttausenden von Füchsen. Doch wenn du mich zähmst, bin ich einzigartig für dich.“ Also machte sich der kleine Prinz mit dem Fuchs vertraut. Sie blieben einige Zeit zusammen.
Als die Zeit des Abschieds kam, sagte der Fuchs: „Geh die Rosen wieder anschauen. Du wirst begreifen, dass die deine die einzige ist!“ Der kleine Prinz ging, um sich die Rosen wieder anzusehen. „Ihr seid gar nicht wie meine Rose,“ sagte er zu ihnen. „Ihr seid wie mein Fuchs war. Er war nur ein Fuchs wie hunderttausend andere. Aber ich habe ihn zu meinem Freund gemacht. Und jetzt ist er der einzige in der Welt. Ihr seid schön, aber ihr seid leer,“ sagte er noch. „Meine Rose habe ich gegossen. Ich habe sie unter die Glashaube gestellt, sie beschützt, sie von Raupen befreit. Ich habe sie klagen und rühmen gehört und manchmal schweigen. Das ist meine Rose.“
Er kam zum Fuchs zurück. Da sagte der Fuchs: „Nun wirst du mein Geheimnis verstehen, das ich dir mitgebe. Es ist ganz einfach: Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
Der kleine Prinz wiederholte, um es sich zu merken: „Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“
„Und noch etwas,“ sagte der Fuchs. „Die Menschen haben diese Wahrheit vergessen, aber du darfst nie vergessen: Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast. Du bist für deine Rose verantwortlich.“
„Ich bin für meine Rose verantwortlich.“ wiederholte der kleine Prinz, um es sich zu merken.

« Letzte Änderung: 23.06.2015 15:12 von Forumadmin »

Madame Mim

Re:Texte für Trauung
« Antwort #6 am: 23.02.2010 10:43 »
Das Brautpaar im Traumladen
Ein junger Mann hatte einen Traum. In diesem betrat er zusammen mit seiner zukünftigen Braut einen kleinen Laden.  Der Laden war nur spärlich möbliert und das junge Paar konnte keine Waren sehen. Nur ein großes Regal voller kleiner schmuckloser Körbchen und Kästchen. Davor eine alte, einfache Theke, hinter der ein freundlich lächelnder, älterer Mann stand. Hastig fragte der junge Mann: „Was verkaufen sie, mein Herr?“
Der alte Mann lächelte weise und gab dem Pärchen freundlich zur Antwort: „Alles, was sie wollen.“
Der junge Mann und seine Liebste begannen sofort ganz begeistert und mit leuchtenden Augen aufzuzählen:
„Dann hätten wir gerne:
- einen Ehepartner, der einen immer versteht und auf den man sich verlassen kann,
- eine glückliche Ehe, die nie zu Bruch geht und schlechte Zeiten geschickt meistert,
- gute Freunde, die uns auf unserem Lebensweg begleiten,
- Kinder, die sich gut entwickeln und an denen wir unsere Freude haben,
- ein schönes Haus, einen Hund und ein schickes Familienauto,
- und… und... und…!“
Da fiel ihnen der alte, weise Mann ins Wort und sagte:
„Entschuldigen sie, liebes Brautpaar, sie haben
mich falsch verstanden. Wir verkaufen hier keine reifen Früchte, wir verkaufen nur den Samen.“

Lesung aus „Der Prophet“ von Khalil Gibran Von der Ehe:
(Dann sprach Almitra abermals und sagte: Und was ist mit der Ehe, Meister? Und er antwortete und sprach:)
Ihr werdet zusammen geboren, und ihr werdet auf immer zusammen sein.
Ihr werdet zusammen sein, wenn die weißen Flügel des Todes eure Tage scheiden.
Ja, ihr werdet selbst im stummen Gedenken Gottes zusammen sein.
Aber lasst Raum zwischen euch.
Und lasst die Winde des Himmels zwischen euch tanzen.
Liebt einander, aber macht die Liebe nicht zur Fessel:
Lasst die eher ein gewogenes Meer zwischen den Ufern eurer Seelen sein.
Füllt einander den Becher, aber trinkt nicht aus einem Becher.
Gebt einander von eurem Brot, aber esst nicht vom selben Laib.
Singt und tanzt zusammen und seid fröhlich, aber lasst jeden von euch allein sein.
So wie die Saiten einer Laute allein sind und doch von derselben Musik erzittern.
Gebt eure Herzen, aber nicht in des Anderen Obhut.
Denn nur die Hand des Lebens kann eure Herzen umfassen.
Und steht zusammen, doch nicht zu nah:
Denn die Säulen des Tempels stehen für sich,
und die Eiche und die Zypresse wachsen nicht im Schatten der anderen
Texte zum Entzünden der Hochzeitskerze

Das Licht auf eurer Kerze…
es soll euch erinnern, an eure bisherige Zeit. An all das, was ihr gemeinsam schon erreicht und erlebt habt.
Es soll euch an die schönen Dinge erinnern, genauso wie auch an das, was weniger schön war. Auch dies ist ein Bestandteil eures Lebens.

Das Licht auf eurer Kerze…
…. es soll aber auch ein Begleiter für die Zukunft sein.
In ihrem Schein steckt Liebe und Segen. Seht diese Kerze als die Verbindung zu euch beiden.

Zündet sie nicht nur an, wenn euer Jahrestag ist, lasst ihr Licht lieber leuchten, wenn ihr euch nah seid. Wenn ihr die Liebe zueinander spürt, und ihr glücklich seid, einander zu haben. Wenn euch Momente widerfahren, die so voller Stärke, Glauben, Hoffnung und voller Leben sind.

Aber auch in schweren Zeiten, in denen der Missmut wächst, und ihr den Weg zueinander nicht richtig findet. Wenn ihr nicht mehr weiter wisst, und alles
zerfallen seht. Dann entzündet sie und das Licht wird euch durch die Dunkelheit leiten.
Vertraut auf den Schein der Kerze. Er wird euch zueinander führen.


Das Licht der Hochzeitskerze
Das Licht dieser Hochzeitskerze sei euer Wegbegleiter.
Zündet sie an, wenn ihr eure Freude miteinander teilen wollt.
Sie sei euch ein Begleiter bei all Euren Familienfesten und stärke euren Zusammenhalt.

Sie begleite euch, wenn ihr euch allein fühlt, mutlos und verzweifelt seid.

Ihr Licht erinnere euch daran, dass, wenn die Nacht am dunkelsten, der Tag am nächsten ist.
Wenn das Feuer eurer Liebe zu verlöschen droht - dann zündet diese Kerze an.

Liebe ist mehr als ein Wort, mehr als ein Gefühl, sie ist auch ein Willensakt.
Sie fordert unsere Zeit und unsere ganze Aufmerksamkeit.

Das Licht dieser Kerze begleite euch,
damit ihr auf eurem Weg
gemeinsam und doch jeder für sich
jubelnd ans Ziel gelangt.


« Letzte Änderung: 25.02.2010 15:39 von Madame Mim »

Madame Mim

Re:Texte für Trauung
« Antwort #7 am: 23.02.2010 10:44 »
Die Hochzeitskerze spricht:

Lasst an Eurem Hochzeitstag eine Kerze brennen.
Sie ist ein leuchtendes Symbol.
Sie soll Euch noch nach Jahren an das erinnern,
was Ihr versprochen habt!
Die Hochzeitskerze flüstert Euch ins Ohr:
Ich habe es gesehen, meine kleine Flamme war dabei,
als Ihr die Hände ineinander gelegt und Euer Herz verschenkt habt.
Ich bin mehr als bloß eine Kerze.
Ich bin ein stummer Zeuge im Haus Eurer Liebe
und wohne weiter bei Euch.
An Tagen, da die Sonne scheint, braucht Ihr mich nicht anzünden.
Aber wenn Ihr vor Freude außer Euch seid, wenn ein Kind unterwegs ist
oder ein anderer schöner Stern am Horizont Eures Lebens erscheint,
dann zündet mich an. Zündet mich an, wenn es dunkel wird,
wenn in Euer Leben Sturm einbricht.
Wenn der erste Streit da ist, wenn Ihr lautlos unter etwas leidet,
dann zündet mich an.
Zündet mich an, wenn der erste Schritt getan werden muss,
aber Ihr wisst nicht wie,
wenn eine Aussprache notwendig wird, aber Ihr findet keine Worte,
wenn Ihr euch umarmen möchtet,
aber die Arme sind wie gelähmt, dann zündet mich an.
Mein kleines Licht ist für Euch ein deutliches Zeichen es spricht seine eigene Sprache, die jeder versteht.
Ich bin Eure Hochzeitskerze.   
Ich hab Euch gern.
Lasst mich brennen, solange es nötig ist, bis Ihr mich dann gemeinsam,
Wange an Wange, ausblasen könnt.
Dann sage ich dankbar:
Bis zum nächsten Mal!

Die Angst der Kerze

Eines Tages kam ein Zündholz zur Kerze und sagte: "Ich habe den Auftrag, dich anzuzünden."
"O nein!" erschrak da die Kerze. "Nur das nicht. Wenn ich brenne, sind meine Tage gezählt! Niemand mehr wird meine Schönheit bewundern!" Und sie begann zu weinen.
Das Zündholz fragte: "Aber willst du denn dein Leben lang kalt und hart bleiben, ohne je gelebt zu haben?"
"Aber brennen tut doch weh und zehrt an meinen Kräften", schluchzte die Kerze unsicher und voller Angst.
"Das ist schon wahr." entgegnete das Zündholz. "Aber das ist doch auch das Geheimnis unserer Berufung: Wir sind berufen, Licht zu sein. Was ich tun kann, ist wenig. Zünde ich dich aber nicht an, so verpasse ich den Sinn meines Lebens. Ich bin dafür da, das Feuer zu entfachen. Du bist die Kerze. Du sollst für andere leuchten und Wärme schenken. Alles, was du an Schmerz und Leid und Kraft hingibst, wird verwandelt in Licht. Du gehst nicht verloren, wenn du dich verzehrst. Andere werden dein Feuer weitertragen. Nur wenn du dich versagst, wirst du sterben."
Da spitzte die Kerze ihren Docht und sprach voller Erwartung: "Ich bitte dich, zünde mich an."






Ich bin das Licht"

Ich bin das Licht,
wenn ihr mich entzündet,

ich bin die Antwort,
von eurer Liebe begründet.

Ich bin die Hoffnung,
wenn der Weg euch so schwer,

ich kann euch erleuchten,
auch von weit her.

Wenn ihr eines Tages
im Streit euch entzweit,
dann bin ich für euch da,
eurer Liebe zu leuchten bereit.

Ich bin nur ein Gegenstand,
ein Ding, ein nichts,
doch für eure Liebe kann ich die Garantie sein,
die euch sonst niemand gibt.

So zündet mich an, wenn die Stunde dunkel ist,
zündet euer Feuer durch mich, wenn der eine den andren vermisst.

Fragt nicht immer warum, lasst die Wunder einfach geschehn,
denn auch eine kleine Kerze, wie ich, kann euch das Licht geben nach vorn zu sehn.

Brennen
für die Liebe
für die Versöhnung
für euch

Anzünden
um Licht zu werden
um Klarheit zu bringen
um euch zu belgeiten

Brennen
gegen das Dunkel
gegen einen Streit
für euch

Brennen
für die Liebe




Mein Licht soll dabei sein, bei eurer Ehe. Mehr als ein Geschenk, bin ich ein stiller Zeuge im Hause eurer Liebe.

Wenn die Sonne scheint, brauche ich nicht zu brennen.
Aber wenn es dunkel wird, wenn Sturm aufkommt, dann zündet mich an.
Wenn der erster Streit ausbricht, wenn euch insgeheim ein Kummer quält,
dann zündet mich an.
wenn der erste Schritt zu tun ist und ihr wisst nicht wie,
wenn ihr die Aussprache sucht, aber keine Worte findet,
wenn ihr umarmen möchtet, und eure Arme sind wie gelähmt,
dann zündet mich an.

Mein Licht ist ein Zeichen im Hause, hell und klar.
Es spricht eine leichte Sprache, die der andere gleich versteht.
Ich bin eure Hochzeitskerze. Ich habe euch beide gern.
Lasst mich brennen, wann und wie lange es sein muss.

Bis ihr beide gemeinsam, Wange an Wange, mein Licht ausblasen könnt. Dann sage ich dankbar: Bis zum nächsten Mal.



Madame Mim

Re:Texte für Trauung
« Antwort #8 am: 23.02.2010 10:44 »
So, ich glaub das wars :-)

Tesi

Re:Texte für Trauung
« Antwort #9 am: 23.02.2010 10:53 »
Hallo!

hab unter deinen Texten soeben die Lesung für unsere kirchliche Trauuung gefunden-hoffe der Diakon ist damit einverstanden!

vielen dank für deine mühe!
glg

Dreamer44

Re:Texte für Trauung - Sammlung
« Antwort #10 am: 23.02.2010 11:07 »
Hätte auch gerne sowas eingebaut, aber unser Pfarrer möchte das nicht.
Irgendwie hat er auch recht, weil es soll ja auch einen religiösen Sinn haben wenn man kirchlich heiratet.
Wir habens geschafft - 12.6.2010

Tesi

Re:Texte für Trauung - Sammlung
« Antwort #11 am: 23.02.2010 11:14 »
religiös ist eh noch das evangelium und der ganze rest!!  ;)
muss dem diakon gleich mal schreiben!

lg

Madame Mim

Re:Texte für Trauung - Sammlung
« Antwort #12 am: 23.02.2010 11:38 »
Wer sagt denn, dass diese texte nicht religiös sind? Es geht um Liebe und Verständnis, um Vertrauen und um das gemeinsame Leben. Sie sind nicht aus der Bibel, aber ich würde nicht sagen, sie sind nicht religiös.
Das evangelium wird natürlich aus der Bibel vorgelesen...

Will das hier eigentlich auch gar nicht diskutieren - dachte einfach ich geb das mal weiter was ich habe. Wers nicht brauchen kann: einfach überlesen :-)

Dreamer44

Re:Texte für Trauung - Sammlung
« Antwort #13 am: 23.02.2010 11:58 »
Habs jetzt auch überhaupt net bös gemeint.
Find die Geschichte allesamt superschön.
Wir habens geschafft - 12.6.2010

Tesi

Re:Texte für Trauung - Sammlung
« Antwort #14 am: 23.02.2010 12:00 »
hab schon an den diakon geschrieben-bin gespannt auf seine antwort!  ;D
DANKE DANKE Madame Mim!